
Er beschreibt, wie er sich befreit hat und was für ihn zu einem schönen Leben gehört. Im Gegensatz zu ihm kann ich sehr gut auf Tabak verzichten und ob ich Ukulele lernen möchte - wohl eher nicht. Aber das soll man auch nicht – es sind lediglich Vorschläge. Viel wichtiger ist es, dass man selbst überlegt, was gut für einen ist und die Verantwortung nicht immer auf andere wie den Staat abschiebt und sich beklagt, sondern aktiv wird und handelt.
Normalerweise stehe ich solchen Titeln sehr skeptisch gegenüber, daher habe ich auch den ersten Bestseller von Tom Hodgkinson “Anleitung zum Müßiggang” ignoriert. Doch eine Artikel in der Zeit www.zeit.de/2011/35/Hodgkinson-London hat mich neugierig gemacht. Es ist ein sehr persönliches Buch über seinen Weg sich vom Konsumzwang zu befreien und damit glücklicher zu werden, als mit dem sinnlosen Zeug, durch das uns die Werbung vorgaukelt glücklich zu werden. Und so gehört zu seiner Befreiung vom Konsum auch die Befreiung vom Fernseher, der uns zum sinnlosen Konsum von Produkten anstiftet. Viel schlimmer finde ich jedoch, dass wir durch den Fernseher aufhören unser eigenes Leben zu leben und anfangen das Leben Anderer zu konsumieren – wir laden kaum noch jemanden zum Essen ein, stattdessen schauen wir nur zu. Feiern oder nur mit ein paar Leuten gemütlich zusammen sein, macht ihn glücklich, aber wen macht genau das nicht ebenfalls zufrieden und glücklicher? Trotzdem machen es die meisten immer seltener, weil wir uns selbst dabei im Weg stehen, da uns von den Medien eingeredet wird, dass alles perfekt sein muss und wer das nicht erfüllt, entspricht eben nicht den Anforderungen. Also lassen es viele lieber einfach sein und berauben sich auf diese Weise sehr viel Freude im Leben.
Tom Hodgkinson weist auch in seinem aufrüttelnden Buch darauf hin, dass durch die ständige Berieselung mit Werbung immer neue Wünsche suggeriert werden, die einen angeblich glücklich machen, aber zu deren Erfüllung man weiter in einem unbefriedigenden Job verweilen muss und man so endlos “Warten auf Godot” bzw. “Warten auf das Glück” spielen kann.
Er macht allen, die Unzufrieden mit ihrem Leben und damit oft auch mit ihrem Job sind, Mut dieses Leben zu überdenken und zu ändern. Er macht Mut sich von den verschiedenen Zwängen zu befreien, die einen vom Glück fernhalten. Er gibt Zuversicht, dass jeder einzelne etwas bewirken kann und daher wieder selbst aktiv handeln soll. In diesem Zusammenhang kann man vielleicht auch seine Forderung nach einem Rückzug des Staates einordnen, zumal da er meist seine Ideen erst recht extrem vorbringt, um sie dann zu relativieren. Gerade, wenn man denkt “Geht´s noch??”, erklärt er, dass er es natürlich nicht ganz so meint. Aber wahrscheinlich braucht es genau das, um auch andere wach zu rütteln und aus ihrer Lethargie und aus der Rolle des Konsumenten zu befreien.
Aber bei all seinen Forderungen zum Verzicht predigt er auch eine genussvolle und fröhliche Lebensweise. Er argumentiert für eine bestimmte Lebensweise, weil sie uns direkt gut tut, indem sie uns freier und somit glücklicher macht und nicht – wie so viele andere argumentieren – dass sie gut für die Umwelt ist, begrenzte Rohstoffe nicht unnötig verbraucht werden und…und….Schön ist, dass beide Argumentationsstränge letztendlich zum gleichen Ergebnis führen. Er genießt lieber gutes Essen mit Freunden als einen neuen Flachbildschirm oder eine sündhaft teure Uhr. Übrigens, fand ich seine Sichtweise zur Uhr ausgesprochen unterhaltsam wie auch das gesamte Buch, das ich sofort verschlingen musste. Auch wenn die Glorifizierung der Geschichte, insbesondere des Mittelalters, die ich für fragwürdig und falsch halte, einem dabei ziemlich aufstößt, liest man dies Buch mit Begeisterung.
“Die Kunst, frei zu sein – Handbuch für ein schönes Leben” ist wirklich ein tolles Buch, dass man unbedingt lesen sollte.

























