Cupcake-Blog

13. Juli 2017

Edinburgh International Book Festival vom 12. bis zum 28. August 2017

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Wir haben in Edinburgh zahlreiche großartige Festivals. Vermutlich ist es die Stadt mit den meisten Festivals auf der Welt. Besonders im August finden mehrere Festivals parallel statt und die Stadt ist überfüllt mit Touristen, die ebenfalls diese wundervolle Stadt und die unzähligen Veranstaltungen genießen möchten. Für mich hat sich über die Jahre das Edinburgh International Book Festival als mein liebstes Festival herauskristallisiert. Immer sind einige wirklich große Namen dabei, die ich mir natürlich nicht entgehen lasse. Aber mit der Zeit habe ich festgestellt, dass mir ebenso – wenn nicht sogar mehr – die mir unbekannten Autoren fast mehr Freude bereiten, deren Bücher ich dadurch erste entdecke und lieben lerne. Die Auswahl an Lesungen ist enorm. So sind dieses Jahr beim Edinburgh International Book Festival 1000 Autoren aus 45 Ländern anzutreffen. Also, schaut am besten selbst mal ins Programm, falls ihr plant im August hier Urlaub zu machen, um nach euren Interessen auszuwählen. Hier nun meine ganz persönliche Auswahl für dieses Jahr, von der euch vielleicht auch das ein oder andere interessieren könnte.

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Großartig fand ich bereits schon letztes Jahr das Konzept von „Afternoon Tea with …“. Ich muss gestehen, dass ich einfach für alle Karten bestellt hatte, auch wenn ich vielleicht sonst allein für die Lesung nicht unbedingt Karten bestellt hätte. Dennoch waren alle interessant und ich konnte so manches Neues entdecken. Es gab Tee, soviel man wollte und auch reichlich Kuchen, für jeden liebevoll zusammengestellt und am Platz serviert, wobei wir, wie hier bei solchen Gelegenheiten üblich, mit anderen einen Tisch teilten, sodass sich einige nette Gespräche ergaben, da wir hier alle sehr kommunikativ sind. Auch wenn wir zu zweit zu einem solchen Event gehen, reden wir immer mit allen. Alles andere würden wir als unhöflich betrachten. Auch dieses Jahr finden einige „Afternoon Tea with …“ mit spannenden Lesungen statt, die ich nur unbedingt empfehlen kann.

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Das Festival ist auch eine wunderbare Gelegenheit schottische Autoren kennenzulernen. Wir haben zahlreiche international bekannte Autoren, von denen auch einige in Edinburgh leben und die zum festen Bestandteil des Edinburgh International Book Festivals geworden sind wie Ian Rankin, Ali Smith, A L Kennedy, Louise Welsh, Lin Anderson, Alexander McCall Smith, Chris Brookmyre, Val McDermid, John Niven und Carol Ann Duffy, wobei ich besonders Ali Smith liebe, deren Lesungen immer ausgesprochen anregend und spannend sind. Aber jedes Jahr kommen immer wieder neue Autoren hinzu, deren Bücher es noch zu entdecken gibt.

Oft vermitteln diese schottischen Autoren ein gewissen Einblick in die schottische Seele und das Leben hier. Einige Lesungen beschäftigen sich auch konkreter mit der Zukunft unseres Landes ebenso wie mit dessen Vergangenheit. So in der Lesung von John Hunter „Schmall Islands, Big History“, wobei ich besonders auf die „large female warriors of Eigg“ gespannt bin.

Auch Laurie Penny wie andere feministische Autorinnen werden da sein und es gibt einen Themenblock „This Woman Can“ mit spannend klingenden Lesungen wie „Best of British Woman“ oder „In Praise of Nasty Women“.

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Übrigens, die Bücher zu den Lesungen können gleich in den Festival eigenen Buchläden (einer für Kinder und einer für Erwachsene) erworben werden. Auch signieren die Autoren zumeist nach der Lesung noch ihre Bücher, die dann dort gleich erworben werden können. Sogar wenn man keine Karte mehr für die Lesung bekommen hat – obwohl ein Versuch sich immer lohnt, ein zurückgegebenes Ticket zu ergattern – kann sich in die Reihe zum Signieren angestellt werden.

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Auch zum Thema „Age of Political Earthquakes“ gibt es einige für mich interessant klingende Beiträge, die sicher zum Weiterdenken anregen. Meist geben diese Vorträge neue Informationen, die einen des öfteren zum Vertiefen und Lesen des Buches motivieren. Üblicherweise habe ich bei solchen Vorträgen das Buch nicht im Vorfeld gelesen und entscheide erst durch den Vortrag, ob es sich für mich lohnt. Also, sich nicht von einem spannend klingenden Vortrag oder Autor abhalten lassen, nur weil das Buch vorher nicht gelesen wurde, es lohnt sich trotzdem immer.

Auch das Thema „Writing the City“ zu dem es diverse Vorträge und mehr gibt, finde ich ausgesprochen interessant. Ebenso wie „Vision of the Future: Britain after Brexit“ zum Beispiel mit Anthony Barnett, dem Mitbegründer von openDemocracy, die spannenden investigativen Journalismus betreiben, zum Beispiel dem Geld folgen, dass über DUP (Nordirland) in Brexit-Kampagnen in England und Schottland floss.

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Auch die wunderbare Verbindung von Musik und Literatur, die schon letztes Jahr mir großartig gefallen hat, wird dieses Jahr fortgeführt. So bin ich gespannt auf Aidan O’Rourkes musikalische Antwort auf das Buch „365“ von James Robertsons sowie Kirsty Law und viele mehr.

An großen Namen, die mich interessieren, sind dieses Jahr Chimamanda Ngozi Adichie, Elif Shafak, Zadie Smith, Siri Hustvedt, Paul Auster, Hanif Kureishi, Colm Tóibín, Peter Høeg, Bernard MacLaverty, Matt Haig, John Banville, Richard Ford und Paula Hawkins vertreten. Francis Spufford, dessen Buch „Neu-York“ mir der Rowohlt Verlag bereits netterweise geschickt hat – was ich jetzt dringend lesen möchte – und der gerade den Desmond Elliott Prize gewonnen hat, ist ebenfalls beim Festival.

Auch bekannte, schreibende Schauspieler sind beim Festival anzutreffen wie Charlotte Rampling und Simon Callow.

Ebenso sind dieses Jahr beeindruckende Autoren wie Elif Shafak und David Mitchell an der Auswahl der Gäste beteiligt, die sie dann auch dem Publikum vorstellen, wobei die Auswahl schon überaus spannend klingt und sich diese Veranstaltungen sicherlich schon daher lohnen werden. Elif Shafak und David Mitchell konnte ich schon zuvor mit ihren eigenen Büchern beim Festival kennenlernen, sodass ich gespannt auf diese Lesungen blicke.

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Mich ziehen nicht nur die unzähligen großartigen Lesungen und Autoren an, die das Edinburgh International Book Festival uns jedes Jahr bietet und die einen noch lange danach bereichern mit ihren Ideen und Büchern, sondern ich liebe besonders die großartige Atmosphäre dort. Sie ist entspannt und herzlich und der Garten inmitten des Festivals lädt zum Entspannen ein.

8. Mai 2017

„111 Places in Edinburgh That You Shouldn’t Miss“ von Gillian Tait – der etwas andere Reiseführer

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Durch Zufall bin ich über einen großartigen Reiseführer zu Edinburgh gestolpert, der sich auf angenehme Weise von den Reiseführern unterscheidet, die sich hier für Freunde stapeln, wenn der ein oder andere mal ohne mich diese wunderbare Stadt erkunden möchte. Da ich in Edinburgh zu Hause bin, benötige ich eigentlich keinen Reiseführer. Doch der Reiseführer von Gillian Tait macht sogar uns Spaß. Er ist sowohl für diejenigen geeignet, die sich zum ersten Mal Edinburgh anschauen ebenso wie für die, die schon ein paar mal hier waren oder wie ich hier leben und meinen, alle Sehenswürdigkeiten bereits zu kennen. Das Buch enthält die zahlreichen charmanten Gegebenheiten, an denen ich mich im Alltag immer wieder erfreue, wenn ich daran vorbei komme. Das Buch motiviert mich ebenfalls, sich das ein oder andere mal genauer anzusehen oder manches sogar zum ersten Mal. Diejenigen, die Edinburgh noch nicht kennen, finden hier wunderbare Entdeckungen entlang den üblichen Sehenswürdigkeiten, die der normale Tourist meist nie findet wie zum Beispiel Dunbar‘s Close Garden auf der Royal Mile, die Edinburgh Castle mit Holyrood Palace verbindet und immer recht voll ist, da diese ein wesentlicher Anziehungspunkt für alle Touristen ist, sodass ein kurzes Verweilen im dem dort versteckt liegenden lauschigen Garten recht angenehm ist.

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Der wunderbare Städteführer „111 Places in Edinburgh“ enthält eine enorme Bandbreite von recht unterschiedlichen Orten, seien es unsere Strände Portobello und Cramond mit ihren Sehenswürdigkeiten, Camera Obscura, wovon die Kinder einer Freundin in den Osterferien ganz begeistert waren oder Craigmillar Castle, The Forth Bridge, Inchcolm, The Writer‘s Museum, Portrait Gallery, Calton Hill und Arthur‘s Seat, Summerhall und der gegenüber liegende Park The Meadows, Scott Monument und viele mehr, an die Gillian Tait erfrischend anders herangeht ebenso wie andere ebenfalls wirklich sehenswerte Orte, die leider jedoch bisher noch nie Eingang in einen Reiseführer gefunden haben.

„111 Places in Edinburgh“ enthält 111 liebevoll ausgewählte Orte in Edinburgh, die jeweils auf einer Doppelseite Platz finden, wobei eine Seite vom Foto eingenommen wird und auf der anderen der dazugehörende, gut geschriebene Text zu finden ist, der schnell auch in tiefere Schichten geht, die über die üblichen Anekdoten hinausreichen. Daher hinterlässt das fundierte Wissen von Gillian Tait, die Kunstgeschichte studiert hat, ein zufriedenes Gefühl. Sicherlich war es nicht ganz einfach, sich für genau diese 111 zu entscheiden, denn Edinburgh wimmelt nur so vor charmanten und schönen Winkeln, die sich zu entdecken lohnen. Auch diverse Karten, in denen alles eingetragen ist, befinden sich im Buch, sodass man sogleich nachschauen kann, was es noch Spannendes in der Nähe zu erkunden gibt. Besonders gut gefällt mir außerdem, dass die Buslinie, die dorthin führen, ebenfalls verzeichnet sind wie auch alle anderen wichtigen Infos. Das macht es besonders für Fremde erheblich einfacher diese lohnenden Entdeckungen zu finden. Übrigens, obwohl das Buch auf Englisch ist, so ist es doch überraschenderweise bei einem deutschen Verlag erschienen.

Bevor ich jedoch mein Exemplar aufschlagen konnte, riss sich meine Tochter es sofort an sich und kommentierte es sogleich mit begeisterten Ausrufe wie „‘unser‘ Bootshaus“, das lauschig am Union Canal liegt oder „oh, die Kirche ist bei Emma – die schaue ich mir beim nächsten Mal von innen an“ (Chalmers Memorial Church mit einer äußerst charmanten, jedoch ungewöhnlichen Innenbemalung) oder „meine Uni, meine Bibliothek – aber das habe ich dort nie gesehen“, was sie jetzt sofort nachholen wird. Auch mir ging es so, freudige Ausrufe des Erkennens, als ich „meinen“ Bioladen oder „meinen“ Käseladen entdeckte, den ich auch Touristen nur wärmstens empfehlen kann zum Beispiel für ein lauschiges Picknick, um dabei zu entdecken, welche köstlichen Käsesorten Schottland zu bieten hat.

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Auch The Elephant House mit seiner großartigen Aussicht wird aufgeführt, zu dem ich auch alle Harry Potter Fans in meinem Freundeskreis führen muss ebenso wie das mittlerweile in Spoon Restaurant umbenannte Nicolson‘s Café, das ebenfalls im Buch Erwähnung findet, wenn auch nicht mit einer eigenen Seite. Dort befindet sich ebenfalls eine Plakette, dass J. K. Rowling dort geschrieben hat und auch ansonsten ist es ein nettes Café, um mal eine kleine Pause einzulegen. Da wir gerade bei J. K. Rowling sind, so kommt einem dabei sogleich Greyfriars Kirkyard in den Sinn, über den ich mittlerweile schon unzählige Male mit deutschen Freunden schlendern musste, um ihnen die Grabsteine zu zeigen, die J. K. Rowling zur Namensgebung ihrer Figuren inspirierte. Denn irgendwie wollen alle hier immer wieder hin. Doch auch ohne Harry Potter Fan zu sein, ist der Friedhof sehenswert, den viele Touristen wegen der rührseligen Geschichte des Hundes Bobby aufsuchen, der neben einem Grabstein auch eine Statue auf der gegenüber dem Haupteingang liegenden Brücke besitzt, um die sich meist eine wahre Menschentraube bildet. Erheblich interessanter ist jedoch der Text von Gillian Tait dazu, der viel besser die wunderbare Atmosphäre dieses Friedhofes erfasst.

Zusammenfassend kann ich nur allen das Buch empfehlen, da es absolut großartig ist.

3. April 2017

Edinburgh International Festival 2017

Abgelegt unter: Cupcakes & Edinburgh — Tags:, , , , — Katharina Saheicha @ 16:15

Wie jedes Jahr freue ich mich schon sehr auf das Edinburgh International Festival, das dieses Jahr wieder mit zahlreichen großartigen Veranstaltungen vom 4. August bis zum 28. August 2017 dauern wird. Während dieser Zeit finden in Edinburgh noch weitere Festivals statt, sodass der August hier immer in einen völligen Freizeitstress ausartet, der jedoch enormen Spaß macht. Mit den Programmen der anderen Festivals müssen wir uns noch ein wenig gedulden, aber für das International Festival können wir schon mal das Programm durchstöbern und Karten bestellen, wobei das Programm in die Kategorien Oper, Theater, Tanz sowie klassische und zeitgenössische Musik gegliedert ist.

Ich freue mich besonders auf die Eröffnungsveranstaltung Bloom, die nun im dritten Jahr von 59 Productions bestritten wird und in den Jahren zuvor sensationell gut war. Es ist ein Fest für alle Sinne mit einer immer netten Atmosphäre. Diesmal wird nicht nur ein Gebäude illuminiert, sondern gleich mehrere in der New Town von Edinburgh und das dann auch noch für mehrere Stunden, wahrscheinlich sogar bis zum frühen Morgen, wobei die New Town übrigens nicht so neu ist, wie sie klingt, sondern im 18. Jahrhundert entstanden ist.

Dieses Jahr wird das 70-jährige Bestehen des Edinburgh International Festivals mit dem Slogan „Welcome, World“ zelebriert. Sehr passend im Zuge von Brexit und dem Weigern der Schotten diesem Irrsinn in den Abgrund zu folgen. Vielmehr betrachten wir hier unsere Unterschiede und Vielfältigkeit als Bereicherung für die Gemeinschaft. Daher hat unser Parlament sich für ein neues schottisches Referendum zur Unabhängigkeit entschieden, um so weiterhin Teil der europäischen Gemeinschaft bleiben zu können. Mit diesem Festival feiern wir somit unsere Internationalität und Verbundenheit mit anderen Nationen wie eben auch deren Künstlern. Vor 70 Jahre – also 1947 – 2 Jahre nach der Beendigung des 2. Weltkrieges, der auch hier seine Auswirkungen hatte, wurde zum ersten Mal das Edinburgh International Festival zelebriert. Auch wenn hier recht viel alte Gebäude erhalten geblieben sind im Gegensatz zu vielen deutschen Städten, so verloren doch viele Schotten ihr Leben, um Deutschland von dem Nationalsozialismus zu befreien, daher wäre es unpassend gewesen farbenfrohe Kleidung zu tragen. Außerdem wurden in den Kriegsjahren die Nachtbeleuchtung kriegsbedingt nicht angeschaltet, was zusätzlich aufs Gemüt schlägt in einem Land, in dem es im Winter um 15 h dunkel ist. Doch dann wurde alles wieder hell und fröhlich und das erste Edinburgh International Festival konnte stattfinden, um so mit Freunden aus aller Welt wieder gemeinschaftlich zu feiern. Genau dieses Erblühen soll mit der Eröffnungsveranstaltung eingefangen werden.

An Opern werden uns Macbeth, La Bohème, Don Giovanni, Die Walküre mit dem Tenor Bryn Terfel, Peter Grimes sowie die moderne Oper Greek des britischen Komponisten Mark-Anthony Turnage geboten. Sir John Eliot Gardiner dirigiert des Weiteren diverse Monteverdi Stücke. Riccardo Chailly wird ebenso einige Stücke dirigieren.

Bei den Theatervorführungen hebt sich besonders The Divide von Alan Ayckbourn heraus, das in zweimal jeweils drei Stunden lange Aufführungen unterteilt ist.

Das Nederlands Dans Theater und Anne Teresa De Keersmaeker sind meine persönlichen Highlights im Tanzbereich. Darüber hinaus bietet das Programm für mich noch ein paar weitere interessant klingende Veranstaltungen zum Thema Tanzen, die es noch zu entdecken gilt.

Letters Live klingt auch recht vielversprechend, wer jedoch die Briefe vorliest und welche vorgelesen werden, bleibt bis zum Schluss ein Geheimnis. Da jedoch bei früheren Veranstaltungen die Briefe zum Beispiel von Benedict Cumberbatch, Jude Law, Russell Brand, Kylie Minogue, Gillian Anderson, Nick Cave – um nur einige zu nennen – vorgelesen wurden, so ist meine Erwartungshaltung dabei – hoffentlich zu recht – ziemlich hoch.

Letters Live FMH March 2016 Showreel from Letters Live on Vimeo.

Da manche Opern lieben wie ich, andere damit überhaupt nichts anfangen können, dafür sich vielleicht mehr für Tanz begeistern, so sollte jeder, der während der Festivalzeit in Edinburgh ist, selbst kurz einen Blick ins Programm werfen, um sich seine Highlights herauszupicken.

20. März 2017

Bothies für einen atemberaubenden Urlaub in Schottland

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Heute verrate ich euch ein bisher gut gehütetes Geheimnis in Schottland. Ihr müsst jedoch versprechen, damit vertrauensvoll umzugehen, also haltet euch an die Regeln und falls ihr könnt, spendet doch einfach nach eurem Urlaub, was es euch wert war an Mountain Bothies Association (MBA) oder werdet einfach Mitglied dort. Versprochen?! Gut, dann werde ich hier nun ein wenig von unseren schottischen Bothies erzählen bzw. euch gleich ein großartiges Buch dazu empfehlen mit allen nötigen Informationen. Natürlich werden damit die schottischen Bothies nicht mehr allzu lange ein Geheimnis bleiben. Andererseits werden sich so sicherlich mehr dafür engagieren und das Netz kann weiter ausgebaut werden.

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Wir haben in Schottland eine traumhaft schöne Landschaft, was sicher den meisten bekannt ist. Schottland ist außerhalb der Städte jedoch recht dünn besiedelt, was die Landschaft zwar um so beeindruckender macht, aber das Übernachten schwieriger gestaltet. In Schottland darf man zwar wild zelten, jedoch ist es hier oft wechselhaft und windig. Auch im Sommer wird es nie so heiß wie in Deutschland. Mir gefällt das Wetter hier besser. Jedoch ist es nach einer Wanderung ganz schön, wenn schon keine heiße Dusche zu haben ist, dann doch zumindest ein paar schützende Wände, und so finden sich willkürlich übers Land verteilt diverse Bothies, die jedem Wanderer kostenlos zum Unterschlupf zur Verfügung stehen. Es sind kleine Hütten, die meist recht spartanisch ausgestattet sind, jedoch die atemberaubende Landschaft, die sie umgibt, gleicht ihre Kargheit aus – irgendwie gibt diese ihnen sogar ihren ganz besonderen Charme. Die meisten dieser Hütten werden durch die Mountain Bothies Association (MBA) verwaltet. Auch wenn es immer nur für eine paar Tage ist, so verbindet diese archaische Lebensweise einen wieder stärker mit der Natur und gibt einem die nötige Erdung und Kraft, die wir wieder gerade dringend brauchen.

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Das Buch „The Bothy Bible“ von Geoff Allan enthält neben einer kurzen Geschichte zu den Ursprüngen der Bothies in erster Linie viel Praktisches und großartige Fotos, die einem die Entscheidung erleichtern. Daher unbedingt vorher das Buch lesen! Alles was ihr zu beachten habt und was ihr mitnehmen müsst, findet ihr dort zum Nachlesen. Gut gefällt mir auch die Einordnung und Angabe der Wegstrecke (Zeit, Länge, Schwierigkeitsgrad) sowie möglicher Alternativen, das ist besonders interessant mit kleinen Kindern oder für Anfänger, wobei hier auch gleich bereits die fünf besten dazu ausgewählt wurden ebenso wie zu ein paar anderen Oberbegriffen.

Das Buch enthält auch einige Karten, sodass entweder entschieden wird, welches Bothy auf dem Weg liegt oder aber das Bothy ist selbst das Ziel und danach wird ausgesucht. Neben dem allgemeinen Teil, der für alle Bothies gilt, gibt es meist eine Doppelseite manchmal auch zwei für jedes einzelne Bothy mit Fotos und hilfreichen, detaillierten Informationen zu jedem Bothy. Insbesondere die Umgebung und die Wegstrecke werden gut beschrieben. Das Buch ist somit eine ausgezeichnete Entscheidungshilfe, insbesondere wenn das Bothy das Ziel ist. Übrigens, das Buch ist recht übersichtlich nach Regionen sortiert.

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Die Fotoauswahl fiel mir hierbei recht schwer, da eins schöner liegt als das andere. Doch die lauschigen und idyllischen Fotos im Buch sollten nicht über die raue Wirklichkeit dabei hinwegtäuschen, denn was wir als völlig normal und Standard empfinden, fehlt hier wie Toilette, Strom, Wasser, Heizung etc.. Wer jedoch die schottische Landschaft ebenso atemberaubend empfindet wie ich und wem das Herz dabei vor Bewunderung, Achtung und Zuneigung überläuft, der hat mit dem Buch einen großartigen Ratgeber sich der Schönheit und Wildnis Schottlands zu stellen. Übrigens, auch schon die Bilder anzuschauen macht Spaß. Also, wer damit erst einmal anfangen will, für den lohnt sich auch schon das Buch. Natürlich haben wir ebenfalls luxuriöse und lauschige Hotels in den Highlands etc., sodass als Kompromiss, wenn es einem bei einem ein oder zwei Wochen langen Urlaub schwer fällt, die ganze Zeit so einfach zu leben, jede dritte Nacht zum Beispiel in einem kuscheligen Hotel mit einer heißen Dusche verbracht werden kann.

6. März 2017

Edinburgh International Science Festival 2017

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Auch dieses Jahr findet in den Osterferien vom 1. – 16. April das Edinburgh International Science Festival statt, über das ich bereits letztes Jahr geschrieben habe. Dabei gibt es immer zahlreiche, recht unterschiedliche Veranstaltungen für die ganze Familie. Also, wer dieses Jahr seine Osterferien in Edinburgh verbringt, sollte unbedingt einen Blick ins Programm werfen, welches unter dem Motto „Get Connected“ steht und damit eine enorme Aktualität besitzt, da es um die Gefahren der neuen Technologien geht, wozu es bereits diverse interessante Artikel gibt, die zum Beispiel die verschiedenen Möglichkeiten der Manipulationen im Bezug auf unsere politischen Entscheidungen wie beim Brexit und der Wahl Trumps aufzeigen. Für viele sicherlich dabei aber auch interessant „TV in a Connected Culture“.

Wie immer ist ebenso das Gastro-Festival ein Teil des Edinburgh International Science Festivals. Diesmal mit so appetitanregend klingenden Veranstaltungen wie „The Burger Evolution“, „Tea-lightful!“ oder „Distilling Live!“, um nur einige zu nennen sowie „Cheeseology 2.0“. Dazu sollte man wissen, dass wir hier ganz großartigen Käse haben, der problemlos mit französischen Käsesorten mithalten kann. Leider ist unser schottischer bzw. britischer Käse nicht so bekannt in Deutschland, wie er es verdient. Daher unbedingt in Schottland die Möglichkeit nutzen und unsere diversen köstlichen Käsesorten probieren – es lohnt sich! Eine weitere nette Idee finde ich auch „Wolf and Watch: Gattaca“. Hierbei wird zu dem futuristischen Film ein ebensolches Menü serviert, wobei an den passenden Stellen des Filmes die entsprechenden Speisen genossen werden können.

Einige der Veranstaltungen finden in Summerhall statt, wo auch die Launch Party zum Festival stattfand, auf der wir uns alle brav an das Motto „Get Connected“ des Science Festivals hielten und viel Spaß hatten. Demnach verspricht das Science Festival noch spannender zu werden, als es bereits schon im letzten Jahr war. Übrigens, Summerhall bietet neben Veranstaltungen auch immer Ausstellungen verschiedener Künstler, sodass es sich immer lohnt zumindest einen kurzen Blick über die aktuellen Ausstellungen zu werfen. Bisher haben mir alle Ausstellungen dort gut gefallen, denn sie haben immer ihren ganz eigenen Charme.

Ein anderer Veranstaltungsort des Festivals ist das National Museum of Scotland, das ebenfalls immer großartig mit Kindern ist. Hier können mit Leichtigkeit die gesamten Osterferien verbracht werden, auch ohne das Edinburgh International Science Festival und ist somit eine wunderbare Alternative für einen verregneten Tag in Edinburgh. Was an so einem verregneten Tag angesehen wird, entscheidet am besten jeder nach seinen Interessen selber. Darüber hinaus solltet ihr auf jeden Fall zum einen die großartige Halle genießen und zum anderen den Blick von der Dachterrasse. Auch ohne Festival lohnt sich das National Museum of Scotland immer.

Eine weitere nette Idee sind die schottischen Polizei-Boxen, die den meisten wahrscheinlich durch die Serie „Doctor Who“ bekannt sind und dort als TARDIS auftaucht, wobei auch die, die während des Festivals am The Mound Precinct zu finden sind, uns ebenfalls zu den verschiedenen Zeitpunkten der schottischen Geschichte führen werden. The Mound Precinct ist der Platz vor der National Gallery of Scotland, die auf der Princes Street, der Haupteinkaufsstraße in Edinburgh, liegt und auch wer üblicherweise solche Einkaufsstraßen gerne meidet, sollte hierbei eine Ausnahme machen, denn von hier hat man einen schönen Blick über Princes Street Gardens auf das Edinburgh Castle und die Altstadt von Edinburgh. Übrigens, wie so viel Veranstaltungen des Festivals ist auch diese frei und man kann sich ganz spontan dafür entscheiden.

6. Februar 2017

Galentine’s Day, Pussy Hats und ganz viel Frauenpower

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Valentinstag steht vor der Tür. Aber noch viel besser als Valentinstag gefällt mir Galentine’s Day. Fans der großartigen Serie „Parks and Recreation“ wissen, was ich meine und vielleicht noch einige andere, denn mittlerweile etabliert sich immer mehr die Idee eines solchen Tages.

Galentine’s Day ist der Tag, an dem wir unsere Frauenfreundschaften feiern, unsere Stärke, unsere Unabhängigkeit, unsere Individualität und dass wir keinen Mann brauchen, um vollständig zu sein. An dem Tag lassen wir unsere Partner zu Hause. Amy Poehler als Leslie Knope hat den 13. Februar dazu auserkoren, aber sie wird gewiss nichts dagegen haben, wenn wir den Sonntag vor Valentinstag dafür wählen, damit wir uns mit all unseren Freundinnen treffen können, ob nun berufstätig oder nicht, Mutter oder nicht, alt oder jung, denn ansonsten ist ein dekadentes Frühstück mit Waffeln schwer zu realisieren. Da wir alle mal wieder aus unserer Filterblase herauskommen wollen, ist es eine wunderbare Gelegenheit ganz unterschiedliche Frauen mit den diversen Backgrounds einzuladen, um sich mit ihnen auszutauschen, aber auch um sich gegenseitig zu unterstützen und zu stärken und natürlich auch um einfach ganz viel Spaß zu haben. Den Konflikt zwischen den diversen feministischen Gruppierungen, den viele auch als Generationskonflikt auffassen, hat nach meiner Erfahrung nichts mit dem Altersunterschied zu tun. Ich finde es sogar besonders wichtig, sich über die Generationen hinweg auszutauschen und so aus den Erfahrungen anderer zu lernen. Also, ladet auch eure Mütter und Großmütter bzw. eure Töchter und Enkelinnen ein und alle anderen Frauen, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht viel Gemeinsamkeiten haben – aber genau diese Unterschiede geben Galentine’s Day eine spannende Dynamik und interessante Gespräche und wir stellen fest, dass wir erheblich mehr gemeinsam haben, als uns trennt.

Besonders jetzt haben wir den Tag nötiger als je zuvor. Trump lebt offen seine Frauenfeindlichkeit aus und das ist sicherlich erst der Anfang. Aber diese Frauenfeindlichkeit findet nicht nur in den USA statt, sondern überall – in Russland dürfen Frauen in der Ehe wieder geschlagen werden und polnische und irischen Frauen wird verweigert über ihren Körper zu bestimmen durch entsprechende harte Abtreibungsgesetze. Und wenn die anstehenden Wahlen so ausgehen, wie ich befürchte, werden auch in anderen Ländern Europas die Rechte von Frauen weiter beschränkt – denn Gleichheit herrscht auch in Deutschland immer noch nicht. Steve Bannon, Chefstratege von Trump, der Breitbart News betreibt und ebenso involviert ist in Cambridge Analytica, hat bereits erklärt, dass diese extrem frauenfeindlichen Kräfte international agieren. So wollen Breitbart sowie Cambridge Analytica den Wahlkampf in Frankreich und Deutschland beeinflussen und damit auch dort ebenso frauenfeindlichen Kräften zur Macht verhelfen, wie sie sich in den USA gerade breit machen. Auch wenn Frauen dabei in Führungspositionen sind und sich auch als Feministinnen ausgeben, so heißt das leider nicht, dass sie es auch sind – wie Theresa May in UK und Marine Le Pen in Frankreich zeigen – sondern ganz im Gegenteil.

In solchen Zeiten ist es gut sich gegenseitig Unterstützung zu geben und Netzwerke aufzubauen. So können wir uns einfach moralische Unterstützung geben oder wir helfen uns gegenseitig, indem wir zum Beispiel einer alleinerziehenden Freundin einen kinderfreien Abend oder sogar ein solches Wochenende anbieten. Aber natürlich kann so auch das Fundament für mehr gelegt werden.

Dass gemeinsame Aktionen von Frauen nicht vergeblich sind, zeigen uns in der letzter Zeit die Protest gegen die Dakota Access Pipeline, wobei Frauen federführend sind. Ebenso die weltweiten Proteste von Frauen, die zeigen welche enorme Kraft davon ausgeht – überall auf der Welt haben Frauen in gemeinsamen Aktionen für die Rechte aller Frauen demonstriert, egal inwieweit sie von den Ungerechtigkeiten betroffen sind. Diese gemeinsamen Aktionen verbinden und stärken ebenfalls unsere Kräfte als Einzelne wie auch als Gruppe. Dabei wurden die Pussy Hats meist in gemeinsamen Aktionen über alle Altersstufen hinweg gestrickt, bei denen nicht nur alle Spaß hatten, sondern sich auch austauschten.

Also, feiert doch einfach auch spontan mit allen Frauen in eurer Nähe am 12. (Sonntag) oder am 13. Februar mit Waffeln oder was auch immer Galentine’s Day. Viel Spaß euch allen dabei!

19. Dezember 2016

Schenken – nervig oder ein wichtiger Bestandteil des Umgangs miteinander?

Abgelegt unter: Cupcakes & Feste — Tags: — Katharina Saheicha @ 18:28

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Weihnachten steht vor der Tür und wieder klagen viele, besonders in Deutschland, darüber, weil sie das Schenken als Zwang empfinden ebenso wie über den damit verbundenen Konsumrausch. Auch von den diversen Spendenaufrufe zu Weihnachten sind viele genervt. Doch auch wenn ich zuerst zustimmen will – denn auch ich finde die Müllberge irrsinnig, die dabei jedes Jahr entstehen, weil vieles völlig überflüssig ist und somit eine sinnlose Verschwendung von Rohstoffen und Energie, ich mag auch nicht den lieblosen Austausch von Geschenken – so zögere ich doch letztendlich, weil Schenken eigentlich total schön ist. Daher halte ich es auch für völlig verkehrt mit dem Schenken aufzuhören, sondern versuche, indem ich mir den Ursprung des Schenkens bewusst mache, dem Schenken wieder eine positivere Richtung zugeben.

Mittlerweile können wir davon ausgehen, dass es bis etwa vor 12.000 Jahren eine matrilineare Gesellschaft gab, in der Schenken und Geben ein wichtiger Aspekt der Gemeinschaft war, auf dem das Wirtschaftssystem beruhte. So gaben die Menschen von ihrem Essen ab, wenn jemand aus der Gemeinschaft aus irgendeinem Grund nicht genug hatte, sie versorgten ihre Alten und Kranken ebenfalls erhielt ein hungriger Fremde Speis und Trank wie auch einen Platz zum Schlafen und falls er fror, etwas zum Wärmen, somit gaben die, die gerade mal etwas mehr hatten, denen die weniger hatten.

Schenken oder einfach Geben ist also ein Überbleibsel wie auch ein Verweis auf eine aus meiner Sicht besseren und erstrebenswerteren Gesellschaftsform. Heute schenken wir zumeist nicht mehr denen, die es wirklich benötigen, obwohl es davon genügend gibt, sowohl in unserer Gemeinschaft als auch Fremde, die als Flüchtlinge an unsere Tür klopfen und um Hilfe bitten, die wir ihnen jedoch zu häufig verwehren. Sondern wir schenken denen, die wir gut kennen, die jedoch meist selbst genügend haben, dadurch kommt es zu dem oft beklagten weihnachtlichen Konsumrausch. Vielleicht sollten wir denen, für die uns kaum was einfällt, weil sie bereits viel zu viel haben, lieber nur eine liebevolle Aufmerksamkeit schenken wie selbstgebackene Kekse etc. oder sie ein neues Buch entdecken lassen und zusammen denen was schenken, die es wirklich brauchen.

Schenken in seiner Grundform macht sowohl dem Beschenkten als auch dem Schenker Freude und sollte beiden ein gutes Gefühl vermitteln und falls das mal nicht zutrifft, ist es bereits zu sehr vom bestehenden System korrumpiert worden, sodass wir uns einfach an den Ursprung des Schenkens erinnern sollten, um es in diesem Sinne wieder zu modifizieren.

Übrigens, ich würde viel lieber in einer Welt leben, in der jeder hat, was er benötigt, einem Gesellschaftssystem, das dem vor 12.000 Jahren gleicht, denn es wäre eine gerechtere Welt, die eine Zukunft hat, denn das System der Ungleichheit und dem damit verbundenen Wunsch nach immer mehr führt unweigerlich zu einer Zerstörung unseres Miteinanders, unserer Umwelt und somit auch zu der unsrigen. Ach, und die Argumentation es reicht nicht für alle, stimmt so auch nicht, denn wir werfen soviel Lebensmittel weg, dass diese zur Ernährung der gesamten Menschheit genügen würden und auch alles andere würde reichen, wenn wir wir damit anders umgehen würden. Auch vermute ich, dass wenn Frauen alleine über ihren Körper wieder bestimmen würden – auch so etwas, was mir an einer matrilinearen Gesellschaft gefällt – es keine Überbevölkerung gäbe, wodurch dann auch einige Probleme der Menschheit wegfallen würde. Wir werden jedoch diese matrilineare Gesellschaftsform leider nicht so einfach wieder etablieren können, aber es wäre sicherlich erstrebenswert und die Rettung aus der Misere, in der wir stecken, auch wenn dies noch nicht für alle ersichtlich ist.

5. Dezember 2016

Nikolaus steht vor der Tür

Morgen ist Nikolaus, daher werde ich nachher noch ein paar Stutenfrauen backen und mit ein paar anderen Kleinigkeiten und Keksen in den diversen Stiefeln platzieren, eine nette Tradition, die ich aus Deutschland mitgenommen habe. Leider geht das nur mit Freunden, die in der Nähe wohnen. Freunde in anderen Städten oder sogar anderen Ländern kann ich so leider nicht überraschen.

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Obwohl ich auch immer unabhängige Buchhandlungen bevorzuge und Amazon etc. meide, so ist es doch manchmal ganz praktisch. Zum Beispiel, wenn man Freunden, die woanders leben, eine kleine Nikolaus-Überraschung schicken will ohne Ewigkeiten am Postschalter zu stehen. Außerdem kommt bei Büchern kein Porto hinzu und man kann noch einen lieben Gruß dazu schreiben, das ist dann oft nicht teurer als eine Weihnachtskarte, aber bleibt viel länger in lieber Erinnerung.

Ein Buch, das sich dazu großartig eignet, ist „Rover rettet Weihnachten“ von Roddy Doyle. Zum einen weil es einen jahreszeitlich Bezug hat, zum anderen ist es das perfekte Buch für die ganze Familie. Ich habe es sogar einem Freund ohne Kindern geschenkt und auch er fand es großartig und ebenso amüsant wie ich, obwohl es eigentlich für Kinder ist.

Da es mein Buch „Cupcakes – 55 unwiderstehliche Törtchen“ nun für nur 5 Euro gibt, finde ich es auch eine wunderbare Idee zum Verschenken für Nikolaus.

Hier geht gerade die Idee vom reverse advent calendar um, d.h. anstatt dass wir etwas daraus entnehmen und bekommen, packen wir jeden Tag etwas hinein, um es anschließend zu einer der zahlreichen food banks zu bringen oder zu einer anderen Charity Organisation. Und da die Weihnachtszeit auch immer eine Zeit ist, in der gerne gespendet wird, ist natürlich Nikolaus eine gute Gelegenheit, den Frauen etwas zu geben, die nicht 5 Schokoladennikoläuse vor der Tür stehen haben oder eine Weckfrau – den Frauen, die nicht mal das Elementarste haben wie ausreichend Tampons, Binden oder eine Menstruationstasse. Mittlerweile wird dieses immer mehr thematisiert in Filmen wie „I, Daniel Blake“ oder auch in der Serie „Orange Is the New Black“, um so überhaupt erst einmal auf den Missstand aufmerksam zu machen. Auch das Luxussteuer in manchen Ländern auf diese Artikel bezahlt werden muss, ist skandalös. So werden auch in Deutschland diese Produkte mit 19 % besteuert im Gegensatz zu Trüffeln, die nur mit 7 % besteuert werden. Hier geben wir auch Binden etc. den food banks, die sie dann verteilen. Keine Ahnung, ob in Deutschland das dann die Tafeln übernehmen, die eine ähnliche Funktion wie unsere food banks erfüllen. Sicherlich können auch Frauenhäuser diese Hygieneartikel gebrauchen, da diese leider immer relativ wenig Unterstützung erhalten. Meist gibt es irgendwen, der die Spenden einsammelt und dann weiterleitet, da Frauenhäuser aus verständlichen Gründen einer gewissen Diskretion bedürfen. Auch Frauen in Flüchtlingsunterkünften können solche Produkte sicher gut gebrauchen. Also macht diesen Frauen doch einfach auch mal eine Nikolausüberraschung und habt alle morgen einen wunderschönen Nikolaustag mit netten Überraschungen!

24. November 2016

„I, Daniel Blake“ – ein wunderbarer Film von Ken Loach

Abgelegt unter: Cupcakes & Filme — Tags:, , — Katharina Saheicha @ 16:12

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Die Geschichten im Film sind so abstrus, dass sie fast für übertrieben gehalten werden können. Aber wie immer hat Ken Loach und sein Team gründlich recherchiert und all die Personen getroffen, auf denen die verschiedenen Anekdoten basieren und wie die Welle an Reaktionen zeigt, die der Film hier in UK ausgelöst hat, sind es keine Einzelfälle, sondern Ausdruck eines unmenschlichen Systems. So machte bei Twitter der Hashtag #IamDanielBlake die Runde, zu dem viele ihre eigenen Erfahrungen mit dem Sozialsystem äußerten. Auch einige Journalisten berichteten über ihre Erfahrungen in den verschiedenen Zeitungen.

Im Film trifft Daniel Blake, der bis zu seinem Herzinfarkt immer gearbeitet hat, auf Katie, eine arbeitslose, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Beide ringen mit dem Irrsinn des Sozialsystems, das eine menschliche und gerechte Behandlung unmöglich macht. So verbietet der Arzt Daniel Blake nach seinem schweren Herzinfarkt zu arbeiten, um sich zunächst zu regenerieren und hält eine Rehabilitationsphase für unumgänglich. Das sollte eigentlich für jeden genügen – aber nein. Im Grunde ist das Sozialsystem so konzipiert, dass es Daniel Blake mit allen Mitteln erschwert wird, das ihm rechtmäßig zustehende Geld zu erhalten. Dies führt auch zu völlig skurrilen, lustigen Situationen, sodass trotz der ernsten Geschichte im Film gelacht werden kann. Die beiden unterstützten sich, obwohl es Daniel Blake anfänglich schwer fällt Hilfe anzunehmen, er gibt lieber welche. Doch als seine Situation ebenfalls immer mehr eskaliert, nimmt auch er Hilfe an.

Ken Loach hat eine wunderbare Art seine Figuren mit Verständnis, Respekt, Achtung und Würde dazustellen, sodass auch die, die noch nicht auf ein funktionierendes Sozialsystem angewiesen waren, erkennen, dass dieses System nicht funktioniert und die Menschen, die darauf angewiesen sind, unsere Unterstützung dringend benötigen.

Auch wenn ich den Film für recht britisch halte, zum Beispiel wenn Daniel Blake entgegen aller Erwartungen völlig entnervt seinen Frust an die Wand sprüht und recht unterschiedliche Menschen ihm dabei unterstützend applaudieren – ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand in Deutschland dafür Applaus erhalten würde – trotzdem oder gerade deshalb halte ich den Film ebenfalls für absolut sehenswert in Deutschland.

Im Film wird auch auf die problematische Situation von Frauen hingewiesen, da Hygieneartikel wie Tampons etc. zu wenig für die zahlreichen Foodbanks gespendet werden – sicherlich weil es bisher ein Tabuthema war und daher viele einfach oft nicht daran denken. Hier in Schottland machen mittlerweile auch vermehrt Männer gezielt darauf aufmerksam und twittern, dass mal wieder unbedingt Tampons, Binden, Menstruationstassen etc. gespendet werden müssen. Auch der Twitter Account @ABagForKatie ist als Reaktion auf den Film entstanden und animiert einfach mal eine Tüte mit Hygieneartikeln zupacken und bei der nächsten Foodbank vorbeizubringen.

Ach, nehmt sicherheitshalber Taschentücher mit, auch wenn der Film teilweise witzig ist, so hat die Dame neben mir zum Schluss Rotz und Wasser geheult.

14. November 2016

„Before the Flood“ – der neue Film von Leonardo DiCaprio zum Klimawandel

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Für eine kurze Zeit war „Before the Flood“ auf YouTube zusehen, da es Leonardo DiCaprio wichtig war, dass der Film vor den Wahlen in den USA zu sehen war, denn neben allem anderem leugnet Donald Trump auch den Klimawandel, obwohl er eine Mauer bauen lassen will – nein, nicht nur an der Grenze zu Mexiko, sondern auch um seinen Golfplatz, um ihn vor den Folgen des Klimawandels zu schützen, den es nach der Auffassung Trumps ja eigentlich nicht gibt.

Eigentlich gibt es beim Klimawandel nichts zu leugnen, aber in den USA wird der Klimawandel eher wie eine Religion gehandhabt, an die man glaubt oder eben nicht, sodass dort erhebliche Aufklärungsarbeit erst erfolgen muss. Wir wissen bereits, dass ein Drittel der Amerikaner auch die Evolution leugnet und stattdessen Kreationisten sind, was auch in diversen Filmen und Serien aufgegriffen wird und zur allgemeinen Belustigung dient. Jedoch vergeht einem schnell der Humor beim Klimawandel, denn dazu ist die Situation dann doch zu ernst, um diese enorme Unwissenheit noch witzig oder unterhaltsam zu empfinden. Besonders erschreckend übrigens für ein Land, das als führende Wissenschaftsnation gilt. Wie es dazu kommt, dass auch eine Vielzahl der amerikanischen Politiker wissenschaftliche Erkenntnisse leugnen, zeigt der Film. Natürlich überrascht es keinen, dass wieder einmal der Einfluss der entsprechenden Industrie dahinter steckt. Andererseits wird auch in Europa, auch wenn hier der Klimawandel nicht dermaßen geleugnet wird, nicht annähernd genügend getan.

Der Film beginnt mit dem Bild „Der Garten der Lüste“ von Hieronymus Bosch, das wohl über Leonardo DiCaprio Kinderbett hing – eine eher ungewöhnliche und befremdliche Wahl für ein Kinderzimmer. Das Gemälde dient im Film als Rahmen auf den später erneut zugegriffen wird, wenn am Ende des Filmes Leonardo DiCaprio eine Audienz beim Papst hat. Wir sehen im Film also eine ganze Reihe berühmter Persönlichkeiten, die sich zum Thema auslassen und für alle Leonardo DiCaprio Fans: Wir sehen im Film auch ganz viel Leonardo DiCaprio – für viele sicherlich schon daher sehenswert.

Auch die Kritiker an Leonardo DiCaprios Engagement werden gezeigt, die ihm vorwerfen, dass er keinerlei fachliche Kompetenz dazu besitzt, wozu er auch völlig steht. Aber ehrlich, den meisten geht es doch ähnlich und es ist notwendig, dass wir alle gemeinsam – eben auch die, die sich nicht wissenschaftlich mit dem Thema befassen – aktiv zur Lösung betragen. Daher finde ich es eher gut, dass Leonardo DiCarpio trotz seiner fehlenden fachlichen Kompetenz andere mit seinem Film auf den Weg nimmt zu der Erkenntnis, dass die Menschheit dringend handeln muss. Auch wenn die meisten lieber davon ausgehen, dass es schon irgendwie geregelt wird, sei es durch Politiker oder die Forschung. Auch Leonardo DiCarpio, obwohl schon seit Jahren engagiert, schweigt betreten als ihm Sunita Narain erklärte, dass eine Änderung des Lebensstils in der westlichen Welt unerlässlich sei. Es scheint, dass es ihm irgendwie bewusst ist, aber er letztendlich nicht dazu bereit ist, was er dann auch für alle Amerikaner kundtut.

Der Film richtet sein Augenmerk in erster Linie auf erneuerbare Energien, Elektroautos und technische Möglichkeiten, um den CO2-Ausstoss zu reduzieren oder die Folgen aufzuhalten bzw. hinauszuschieben. Zum Schluss werden noch sehr allgemein kurz Punkte benannt, inwieweit jeder einzelne dazu beitragen kann. Mir kommt dieser Teil zu kurz. Ich befürchte, dass für viele der Eindruck entsteht, dass der Klimawandel zwar ein sehr ernstzunehmendes Problem darstellt, um das sich gekümmert werden muss durch die Politik, indem sie alternative Energie wie Wind- und Solarenergie fördert oder durch Industrie und Forschung, die neue E-Autos entwickeln oder andere Technologien, um Energie zu sparen und die Folgen zu reduzieren, aber eben nicht durch einen selbst. Wenn Leonardo DiCaprio durch die Welt jettet, habe ich nicht den Eindruck, dass er seinen Lebensstil in Hinsicht auf das Klima geändert hat und dieses vorlebt, daher werden auch andere nicht motiviert sein, ihren Lebensstil zu ändern.

Übrigens, dass sich unsere Regierungen schon irgendwie darum kümmern werden, darauf würde ich mich nicht unbedingt verlassen. So hat Deutschland zwar ebenso wie UK sowie andere Länder eine Forschungstation in der Antarktis wie auch entsprechende Forschungseinrichtungen, die sich intensiv damit beschäftigen, sodass der Eindruck entsteht die verschiedenen Regierungen sind ernsthaft daran interessiert den Klimawandel zu stoppen, andererseits dienen diese Forschungsstationen auch den Gebietsanspruch der Länder für eine spätere Nutzung der Rohstoffe zu manifestieren.

Leonardo DiCaprio saß vor 10 Jahren bei einer Oprah-Show mit einer Energiesparbirne in der Hoffnung, wenn wir alle diese verwenden, wäre das Problem gelöst. Heute weiß er, dass Energiesparlampen nicht genügen, um das Problem zu lösen. In 10 Jahren wird er vielleicht wissen, dass erneuerbare Energien und Elektro-Autos ebenfalls nicht genug sind, aber dann wird es zu spät sein.

Versteht mich nicht falsch, ich finde den Film gut und absolut sehenswert, mir geht er jedoch nicht weit genug. Ich finde es großartig, dass Schauspieler ihre Beliebtheit für wichtige Sachen nutzen wie auch Mark Ruffalo sich dem Widerstand gegen die Dakota Access Pipeline anschließt. Doch der Klimawandel lässt sich nicht alleine mit erneuerbaren Energie und Elektro-Autos etc. stoppen, sondern es ist dringend nötig, eine grundlegende Änderung unseres Verhaltens und damit unserer Gesellschaft herbeizuführen. Dies wird üblicherweise an das Wort Verzicht gekoppelt, manchmal werden dann direkt daran anschließend Bilder von ärmlichen Kindern in Hütten ohne Strom und Wasser gezeigt, sodass verständlicherweise sogleich eine ablehnende Haltung zu einer Änderung entsteht. Ich bin jedoch überzeugt, dass eine Änderung für uns alle positiv ist – nicht nur weil wir so künftige Katastrophen verhindern, sondern jeder einzelne von uns wird danach feststellen, dass Änderungen auch befreiend sind und wir so die wirklich wichtigen Sachen für uns entdecken, die uns glücklich machen, sodass wir durch eine Veränderung unseres Lebensstils glücklicher werden. Jedoch gibt es eine kleine Gruppe, die davon profitiert, dass wir unser Verhalten nicht ändern, sodass es uns sehr schwer gemacht wird, Änderungen umzusetzen. So ist aus meiner Sicht nicht der Klimawandel das größte Problem, sondern das System, das ihn ermöglicht, sodass, um den Klimawandeln zu stoppen, dieses System geändert werden muss. Damit würden auch weitere Probleme der Menschheit gelöst, die sich gegenseitig verstärken. Die nötigen Änderungen unserer Gesellschaft werden jedoch nicht in unserer patriarchalen Gesellschaft möglich sein, da diese Teil des Problems ist. Erst seine Strukturen haben uns an diesen Abgrund geführt, vor dem uns nur noch ein Rückkehr zu einer matrilinearen Gesellschaft bewahren kann.

Bei dem Dakota Access Pipeline Protest führen Frauen den Widerstand an. Ihnen ist es gelungen alle indigen Stämme, das sind über 300 Stämme, im Protest zum ersten Mal zu vereinen. Daher wird von dieser Bewegung erhofft, dass sie sich global ausdehnt und aktiv für unsere Umwelt einsetzt. Frauen sind im alten Glauben der Indianer Hüterinnen des Wassers. Ihre führende Rolle wird auch von den Männer der Bewegung anerkannt, die ihnen unterstützend zur Seite stehen. Sie beten gemeinsam für Mutter Erde. Auch in anderen Kulturen wie bei den Kelten waren Frauen Hüterinnen des Wassers und der Natur. Sharon Blackie schreibt darüber sehr schön in ihrem Buch „If Women Roses Rooted“. Sie stellt auch kurz Polly Higgins vor, die Schottin ist und in London als Anwältin arbeitet und nun ihr Wissen und Fähigkeiten als Anwältin nutzt, um ein Gesetz (Ecocide) durchzusetzen, dass eine gesetzliche Basis schaffen soll, welche die Natur und damit den Menschen vor alles andere stellt wie den wirtschaftliche Interesse von Konzernen, die beim Umsetzen ihrer Interessen unsere Umwelt zerstört zurücklassen. Auch hier wieder eine Frau, die sich für den Schutz unserer Umwelt stark macht.

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